
Da sitze ich nun und fühle mich in den Hochsommer versetzt: Chic warm in der Kajüte! Und die Sonne strahlt dermaßen, dass ich kaum einen Platz finde, wo ich den Bildschirm ordentlich sehen kann. Aber langsam schwenkt die Sonne in den für mich besseren Bereich.

Werner und ich habe schön gefrühstückt. Der kleine Tisch, von der Kajütdecke herunter geholt, reichte gerade so aus für alles, was es dafür so braucht. Der Kocher hat uns schnell und unkomliziert kochendes Wasser für Tee, Kaffee und Abwaschwasser bereitet und halbwegs gerade liegen wir auch auf dem schrägen Schlickberg. Heute nacht um halb zwei haben wir das Boot an den Anleger gezogen und ordentlich vertäut. Geschlafen haben wir – wider Erwarten – prima. Und es war eine große Zahl von Vogelstimmen zu hören beim Erwachen der Natur, und sonst rein gar nichts. Wunderbar, mitten in der Natur. Auch ist niemand sonst hier außer uns, aber der Sanitärcontainer ist mal wieder tiptop sauber auf seinen vier Quadratmetern.

Gestern hatten wir noch eine ausgeprägte „Goldene Stunde“ beim Übergang in die Nacht. Und die Dralle Deern – Crew sammelte erste persönliche Erfahrungen mit der Tiefe des Weserschlicks. Einmal versucht, darin zu gehen, und schnell wieder zurück ins Boot – mit entsprechenden Schlickanhaftungen an Mensch und Boot. Derzeit putzen sie gerade…



Und jetzt ist es gleich elf Uhr und wir haben schon zum Klönschnack beieinander gesessen und uns mit der Frage beschäftigt, ob Musiker eigentlich allein von der Musik leben können oder nicht. Und wie sinnvoll es doch ist, noch einen „Brotjob“ wie zum Beispiel Musiklehrer nebenbei oder als verlässliches Standbein zu haben.
Jetzt sind Ralf und Tobias mal „in den Ort“ gegangen (ich fragte verunsichert: „Welchen Ort??!“). Genauer gesagt wollen sie sich das als Museum erhaltene Haus des Heimatdichters Hermann Allmers anschauen (Der bekannteste Heimatdichter aus Rechtenfleth ist Hermann Allmers (1821–1902), der oft als „Marschendichter“ bezeichnet wird. Er war ein bedeutender norddeutscher Schriftsteller, Dichter, Maler und Kulturhistoriker, der sich in seinen Werken intensiv mit der Landschaft und Kultur seiner Heimat an der Unterweser auseinandersetzte)
Hermann Allmers war ja auch befreundet mit den bekannten Worpsweder Malern und oft dort vor Ort. Wir haben ja auch noch viel Zeit bis zum nächsten Hochwasser, das uns rund um die Strohauser Plate entlang der Schweiburg ins Absersiel bringen soll. Eine Stunde vor HW wollen wir hier ablegen, das wäre so gegen fünfzehn Uhr heute. Werner hat sich noch ein wenig auf die Plicht-Bank gelegt, den Kopf von seinem aufgerollten Schlafsack weich unterstützt. Ich schwitze in der Kajüte und schreibe diese Zeilen. Die Technik jedenfalls funktioniert und obwohl wir bewusst ohne Landstrom hier liegen (was wir könnten), zeigt die neue Lithiumbatterie eine erstaunlich große Kapazität und hält sicher noch einige Tage stramm durch. Aber nachher wird sie ja wieder vom Außenborder geladen und beim AWV nehmen wir dann auch wieder Landstrom, um z.B. Gas in den Kartuschen zu sparen beim Wasserkochen.
Eben hat es „Plopp“ gemacht und wird sind von der einlaufenden Flut aus unserem Schlickbett herausgehoben worden und liegen jetzt wieder ganz genau gerade. Ich merke das am Tee im Becher und am Tisch, der ja schwenkbar ist und auch als Kränungsmesser eingesetzt werden könnte: er dreht immer genau dahin, wo es tiefer ist. Und jetzt ist er gerade. So, ich muss raus an die noch kühlere Luft, sonst wird das Hirn zu heiß. Aber ein paar Fotos stelle ich noch rein für Euch: Schreibt doch ruhig mal einen Kommentar, damit ich sehen kann, dass dieses Logbuch überhaupt irgendwo gelesen wird, hi….










Kleine Ergänzung für solare Schwachstromfreunde:
Vor einer Stunde habe ich die Solarzelle mal abschattungsfrei und voll in Richtung Sonne aufgehängt. Wollte mal testen, wie stark der max. Ladestrom dann wirklich ist. Zu meinem Erstaunen floss gar kein Strom mehr. Also mit Messgerät in meine halbfliegende Verdrahtung (Spezialität, mit der man aber keine Gesellenprüfung nach DIN bestehen kann, deshalb nur unter Hobby-Elektrikern beliebt) eingedrungen und festgestellt, dass der Solarstecker nicht mehr leitete. Der eine oder der andere. Da mir beide schon immer suspekt waren, habe ich konsequenterweise beide abgekniffen und durch WAGU-Klemmen ersetzt. Und – o Wunder – jetzt fließt fast zwei Ampere auf die Batterie. Für so eine kleine Zelle schon ganz ordentlich. Ich werde noch eine zweite instalieren, habe aber noch nicht die aufs Luk passende Größe gefunden, bin aber dicht dran. Jeder Ampere zählt, wenn man autark sein will. Es ist tatsächlich so, wie der Volksmund so passend dichtet:
„Was dem Bischof sein prunkvoller Dom,
ist dem Segler sein Sonnenstrom!“

wie immer schön geschrieben.
Moin Holger,
Tolle Bilder, ich wünsche euch einen schönen Törn.
Danke, Christoph, und ich habe auch im Ex-Boot zwei Schein-Anwärter dabei – zum Training…