Ostfriesentee


Ja, so sieht die echte ostfriesisiche Teekultur aus: Blümchengeschirr, dünnwandig, Kluntjes und ein Schuss Sahne – gegen den Uhrzeigersinn in den Tee gegossen! Und bloß nicht umrühren! Ohne diese Zeremonie ist Ostfriesland gar nicht denkbar. Gut, Boßeln sicher auch noch. Und ich gestehe: ohne Ostfriesentee verläuft bei mir auch kein einziger Tag, erst Recht nicht an Bord. Es ist dabei egal, ob wir dabei Thiele Tee, Bünting oder Onno Behrens aufbrühen –

– da mögen sich die Ostfriesen streiten, welcher der Beste ist. Und Kompromisse sind auch nötig. Denn wenn ich eine Kanne aufbrühe, dann soll die auch lange vorhalten, möglichst den ganzen Tag, und der Tee soll am Ende nicht lauwarm sein.

Beim Segeln muss man leider oft auch durch Schietwetter durch. Auch mal stundenlang an der Pinne sein, vollkonzentriert oder auch durch Kanalfahrt gelangweilt. Man weicht durch und fängt an zu frösteln. Da gibt es kein besseres Mittel als einen wunderbar heißen Ostfriesentee. In ganz schweren Fällen sogar mit einem Schuss Rum „verfeinert“. Das sorgt für „many more miles“ auf dem Wasser. Nur abends sollte man dem Tee nicht in voluminöser Fülle zusprechen. Schlafen könnte ich trotzdem, aber die Blase meldet sich dann früher als vielleicht erwünscht, und öfters.

Bestmann Werner ist auch deshalb in diese Position als persönlicher Stellverteter des Kommodore befördert worden, weil er die drei entscheidenden Dinge an Bord unserer Schiffe sehr schnell gelernt und dann konsequent gepflegt hat:

Erstens schnelle Webeleinsteks an den Fenderleinen bei kurzfristigem Umlegen der Fender beim Anlegen.

Zweitens Ankerwurf und gekonntes Einholen eines Schlickankers.

Und drittens: Vor Antritt des Törns schon für eine Thermoskanne voller Ostfriesentee in allen richtigen Dosierungen aufzugießen. Aber, wenn ich’s recht bedenke, ist die passende Reihenfolge eigentlich genau anders herum…

Die Kanne mit Ostfriesentee (nicht zu schwach!) steht immer bereit, gerade auch bei geistigen Leistungen…