Der „Adenauer“
Die Deutschland-Flagge, so heißt sie offiziell. Die „Nationale“. Und ganz offiziell muss man sie beim Bootfahren auch am Heck setzen (auf Seeschifffahrtsstraßen muss man, auf Binnenschifffahrtsstraßen darf man). Und zwar zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Danach ist sie einzuholen. Auch, wenn’s regnet oder sonstwie schwer fällt. Früher machten das alle und legten großen Wert auf diese Flaggengebräuche. Heute wehen viele Nationalflaggen durchgängig die ganze Saison, egal ob Tag oder Nacht, egal ob jemand an Bord ist oder nicht. Entsprechend sehen sie auch aus: verblasst und vom Wind zerfetzt.
Wenn die Flagge („Fahne“ ist falsch -die hat man nach Alkoholgenuss!) aber für mein Heimatland steht, dann kann man an der Behandlung der Flagge auch irgendwie den Stellenwert des „Vaterlandes“ für den Menschen, hier den Eigner, ablesen, oder?


Hilfe beim Anlegen
Auch das war früher selbstverständlich: Man ist an Bord und irgendwo in der Nähe will ein anderes Boot anlegen. Man steigt von Bord runter auf den Steg, geht in Richtung des Anlegenden und nimmt dessen Leine an. Dann legt man sie über eine Klampe oder zieht sie durch einen Ring und gibt sie wieder zurück an Bord. Oder man hält das Boot einfach am Bugkorb auf optimaler Position, während die Mannschaft die Leinen ausbringt. Dann kehrt man zu seiner Tasse Kaffee an Bord oder zum Sundowner zurück. Heute kann man in Yachthäfen immer öfter beobachten, dass stattdessen zum Kaffee oder Sundowner eher das „Hafenkino“ gehört: Sich zurücklehnen und mal schauen, wie der Anlegende sein Manöver so hinbekommt! Besonders spannend, wenn viel los ist im Hafen und vielleicht starker Seitenwind herrscht. Mit guter Seemannschaft und sinnvollen Yachtgebräuchen hat das dann aber rein garnichts mehr zu tun.
Schlepphilfe gewähren
Plötzlich stottert der Motor oder bleibt gleich ganz stehen und springt auch nicht wieder an. Was ist los? Tampen in der Schraube? Kein Sprit? Zu viel Dreck im Filter? Was ist zu tun?
Früher nahm man ein Stück Tauwerk, eine Leine, und winkte damit anderen Booten zu, die in der Nähe unterwegs waren. Heute kann man sogar über Seefunk nachfragen, ob jemand Schlepphilfe gewähren kann. Und dann ist es es eine Selbstverständlichkeit, dass man den Havaristen auf den Haken nimmt und zur nächstmög-lichen Anlegemöglichkeit schleppt. Auch, wenn einen das vielleicht eine Stunde eigener Törnzeit kosten sollte. Sich kümmern – einstmals eine Selbstverständlichkeit, heute oft ein Glücksfall. Das merkt man leider oft erst, wenn man mal selbst betroffen ist. Und dann könnte guter Rat im wahrsten Sinne „teuer“ werden.

