Wenn früher jemand aus einem Land in ein anderes geflohen ist, dann nannte man den einen „Flüchtling“ . Menschen in meinem Alter erinnern sich sehr gut an die vielen deutschen „Flüchtlinge“ , die als Kriegsfolge aus Masuren oder Schlesien flohen -oder ausgewiesen wurden. Sie siedelten über in den Teil Deutschlands, der von etwas gnadenreicheren Siegermächten verwaltet wurde. Wir sagen heute: in den Westen. Und diese „Flüchtlinge“ haben das Nachkriegsdeutschland in prägender Weise wieder mit aufgebaut. Kaum eine Stadt, die keine „Königsbergerstraße“ hat plus viele andere Straßen, meist mit vielen Neusiedlungshäusern damals bebaut, die Erinnerungen an die alte Heimat bewahren sollten.
Das alles gilt heute sprachlich nicht mehr. Heute soll es keine „Flüchtlinge“ mehr geben. Sprachlich gesehen. Heute nennt man diese Menschen „Geflüchtete“ . Und ich frage mich- warum? „Geflüchtete“ klingt schon irgendwie holperig mit den beiden „t“ am Wortende. Irgendwann hat mir jemand erklärt, warum moralisch höherstehende Menschen das Wort „Flüchtling“ nicht mehr benutzen: Die Silbe „ling“ würde etwas klein machen und damit erniedrigen. Den „Däumling“ kenne ich noch aus meinen Kinderbüchern. Der war wirklich klein und sollte es auch sein. Ein Daumen ist ja auch klein. Und ein „Flüchtling“ sei ein armer Mensch, den man nicht auch noch sprachlich mittels Endsilbe „…ling“ erniedrigen sollte.
Wenn’s denn wenigstens stimmte. Tut es aber nicht. „…ling“ macht eben nicht nur klein. Es macht auch schön, wie etwa den „Schmetterling„. Und es macht auch sauschwer, wie etwa den „Findling“ . Oder darf man den fetten Stein aus der Vorzeit jetzt auch nicht mehr so nennen? Da nenne man mir bitte das politisch korrekte Ersatzwort dafür. Ich will ja nicht zum Unmensch mutieren, der Steine erniedrigt!
Also im von oben befohlenen und sofort von allen öffentlich-rechtlichen Medien in vorauseilendem Gehorsam aufgenommen und propagiert: „Geflüchtete“ . „Flüchtlinge“ gibt es zwar noch und wird es wohl auch immer geben, aber sie dürfen so nicht mehr genannt werden. Na ja, man „darf“ das schon noch. Aber innerhalb einer Redaktion des ÖRR wird man dann seine Aufstiegschancen schon etwas „dimmen“, wenn man im moralisch anrüchigen Altsprech der korrekten Deutschen Sprache verhaftet bleibt.
Übrigens: Die Sache ist so neu nicht. Diktaturen greifen auch gerne zu einer von oben befohlenen Sprachkorrektur! Da wird dem Volk nicht (wie bei Luther) „aufs Maul geschaut“, sondern aufs Maul gegeben!
Die Nazis ganz vorneweg in sprachlichen Dingen. Ein „Motor“ (egal ob für „Volkswagen“ oder Panzer „Tiger„) sollte auch nicht mehr so heißen und wurde „eingedeutscht zu dem wunderbaren Substantiv „Vierkolbenzerknalltreibling„.
Und weil es in der sozialistischen DDR sprachlich keine „Engel“ geben durfte, befahl man einfach den alternativen Sprachgebrauch der wunderbaren Wortschöpfung „Jahresendflügelfigur“ .
Und wir sind wieder dicht dran und müssen es auch noch mit unserer stetig steigenden Rundfunkgebühr bezahlen. Achso, eine Frage bewegt mich bei diesem Thema auch noch: Warum verdient eigentlich jeder Intendant einer Sendeanstalt mehr als ein Bundeskanzler? Ist da eigentlich noch alles im Lot auf dem deutschen Riverboat? Man könnte ins Grübeln kommen, oder?
