
So läuft sie, die Unterweser, fast genau ´genau von Süd nach Nord der Nordsee entgegen. Sie ist ein Tidenrevier und kennt einige schöne Häfen für Wassersportler. Die möchte ich hier beschreiben. Meine Wertungen dazu sind rein subjektiv und ich mache keinen Hehl daraus, dass ich ein Fan von Natur- und Schlickhäfen bin und dass Top-Noten für Sanitärbereiche bei mir nicht vordringlich sind.
Beginnen wir im Süden, ab Vegesack. Da erwähne ich gern, gegenüber von Farge und dicht bei der Fähre, „Juliusplate Berne“. Fällt trocken und hat Sand- wie Schlickstellen. Ein Siel entwässert dort und entlang des Längsstegs in Sielrichtung finden sich an der Südseite die tiefsten Plätze. Netter Verein, alles ein wenig angerostet, aber funktional, Sanitäranlagen einfach und sauber. Strand-Badestelle gleich daneben, super für Kinder. Einfahrt klar ausgezeichnet, spätestens mit halber Tide kein Problem. An der Straße gegenüber ein Campingplatz mit kleinem Shop. Mit der Fähre ist man schnell auf der Bremer Seite und mit Bus dann auch zügig in Vegesack oder sogar mit Zug nach Bremen HBF.


Einziger „Nachteil“ von Juliusplate Berne: Der Verein ist leider nicht Mitglied im Freihafen-Abkommen und man muss also Liegegeld bezahlen. Aber tut das wirklich Not? Meine Bewertung dennoch: Sehr empfehlenswert!

Etwas weiter weserabwärts mündet die Hunte in die Weser. Sie kommt von Oldenburg und ist ein ziemlich langweiliger Fluss. Nicht empfehlenswert, außer, wenn man nach Oldenburg oder zu Küstenkanal will. Die alte Huntemündung wurde mit Bau des Huntesperrwerks abgedeicht und zum Sportboothafen Elsfleth. Der Lieblingshafen meiner Frau. Man muss freilich durch die kleine Sportbootschleuse.
Am WE nach Bedarf, in der Woche alle zwei Stunden wird – nach Anmeldung – geschleust. In der Schleuse zahlt man für dieselbe und die Liegezeit. Dann aber liegt man sehr schön und man kann sogar im Hafen großzügig segeln. Ich habe dort schon Segelausbildung samt Prüfung gemacht. Ein auch von den immer mehr werdenden Radfahrern gut besuchtes Hafen-Lokal italienischer Prägung lockt ebenso wie die vorbildlichen Sanitäreinrichtungen. Zur Stadt sind es knapp eine halbe Stunde Fußmarsch. Aber wer will da schon hin, wenn es doch im Hafen so schön ist und man die Schifffahrt auf Weser und Hunte beobachten kann (wenn da welche stattfindet…).
Wer fast mitten im Ort Elsfleth liegen will, der muss in die Hunte einbiegen, durchs Sperrwerk fahren (fast immer offen) und gegen starken Ebbstrom bis zum Stadtanleger durchfahren. Der wirkt ein wenig heruntergekommen, aber Sanitär ist gleich oben im Haus der Touristik. Früher waltete dort ein strenger Hafenmeister, der jedem erst mal – aus seiner Sicht – „richtige“ Knoten beibrachte und einen zwang, nachts ein weißen Rundumlicht auf der Hunteseite zu setzen, damit einen die Binnenschiffe nicht rammten. Den Hafenmeister hat man wohl eingespart, ich habe jedenfalls seit Jahren keinen dort mehr angetroffen. Leider war auch Klo mitunter verschlossen. Aber man ist sofort in der „City“ von Elsfleth, vorbei an der Kanone, und kann dort frühstücken oder einkaufen. Leider auch so eine City, die langsam ausblutet. Gut für Döner-Fans, schlecht für alle anderen. Natürlich ist das Liegen dort auch kostenpflichtig, da ein Privatanleger und kein Verein.

Der Stadtanleger Elsfleth an der strömenden Hunte. Parallel dazu laufen die Bahnschienen und liegt der Bahnhof. Zum Glück fährt nur alle Stunde ein Zug. Auf derselben Seite eine öde Spundwand bei Ebbe, aber zur anderen Seite ein schöner Blick auf die Hunte-Natur.
Doch nun weiter nordwärts Richtung Bremerhaven. Ab Elsfleth beginnt das eigentliche Segelrevier der Unterweser. Vorher lohnt es kaum, die Lappen hochzuziehen. Die Weser ist eng und die Werften sorgen für Abdeckung und die vielen Spuntwände für kabbeliges Wasser. Aber ab Huntemündung und parallel zum „Harrier Sand“, der längsten Flussinsel Deutschlands, geht es schon wunderbar mit der Segelei! Nur kommt da erst mal kein Hafen mehr, und Brake sollte man sich – leider – schenken. Die zwei Möglichkeiten, die Brake vorhält, sind nämlich auf unterschiedliche Weise nicht sonderlich empfehlenswert, ja sogar gefährlich:
Einfache, aber gefährliche Lösung: Stadtanleger Brake. Der liegt im Strom und da macht auch die Fähre zum Harriersand fest. Meist ist da frei, und das aus gutem Grund: fährt nämlich ein Schiff auf der Weser vorbei, dann reißen einem die Wellen dort die Klampen aus dem Deck (mir schon passiert!), weil der Betonanleger sich

fast gar nicht bewegt und alle Energie auf die Klampen und Fender geht! Ist es gar ein schnell fahrender Schlepper, dann wird’s extrem kritisch dort. Also nur mal anlegen, um jemanden aus- oder zusteigen zu lassen, und dann nichts wie wieder weg! Und Variante 2 für Brake, der Hafen hinter der Schleuse, erscheint mir auch nicht sehr attraktiv. Zwar ist dort ein Bootsverein mit Gastliegeplätzen und man liegt auch gut im Zentrum von Brake, aber sonst ist die Aussicht dort auch nicht so toll. Vor allem muss man erst mal reinkommen, denn die Schleusenzeiten sind bei weitem nicht so angenehm wie etwa in der Schleuse „Neuer Hafen“ in Bremerhaven oder wie bei der Sportbootschleuse Elsfleth.
