Brake bis Bremerhaven

Brake ist also leider keine Empfehlung. Aber keine Sorge, etwas weiter nördlich, nach Ende des Harriersandes, wird’s dann gleich wieder attraktiver:

Sandstedt wäre der nächste Hafen, noch in Sichtweite von Brake und bei der nächsten Fähre (Golzwarden-Sandstedt) . Bei Sandstedt mündet auch der Seitenarm der Weser, der hinter dem Harriersand lang fließt. Eine heikle Ecke, wenn man da rein will, in den Arm (toller Ankerplatz!) oder nach Sandstedt. Aufpassen, denn da sind jede Menge Buhnen und Steinhaufen im Weg. Gut an die Betonnung halten und die vorher schon mal studieren! Für Sandstedt muss man jedenfalls dicht ans Ufer beim Campingplatz ran, und man sollte auch hier die halbe Tide abwarten, um einzulaufen. Fällt nämlich komplett trocken. Sandstedt hat – wie alle Häfen – Vor- und Nachteile. Man kommt spät rein und nicht immer wieder raus. Und man muss schauen, wo man festmacht, denn es gibt Sand und Schlick im Wechsel dort. Mal fällt man gut trocken und mal schräg. Aber die Vereinskameraden dort klären einen auch gern darüber auf. Auch Sandstedt ist leider kein Verein, der sich dem Freihafen-Abkommen angeschlossen hat. Also wird Liegegeld fällig. Im Sommer stehen oberhalb der Hafen-Kaje Buden mit Fritten und Fisch. Das ist schon mal ein Vorteil. Und früher war in einem ausgedienten Hotel hinterm Deich auch tatsächlich mal eine „Harfen-Akademie“ – für die interessierten Musiker. Im Ort gab es bis vor ein paar Jahren noch Bäcker und Schlachter. Was heute noch da ist, weiß ich leider nicht, da ich zwei, drei Jahre nicht mehr dort war.

Kleiner Tipp: Von Sandstedt aus kann man auf schnellem und sehr naturnahem Wege durch die Südeinfahrt der Schweiburg nach Absersiel gelangen! Und irgendwo haben die da einen Hinweis für den Wasserstand: Wenn der die Brücke erreicht ha, dann passt es vom Tiefgang auch durch die Schweiburg! Genial! Unbedingt mal abfahren, am besten unter Segel. Südeinfahrt ganz in der Nähe des Fähranlegers und gut geprickt.

Südeinfahrt Schweiburg: Nur eine Kabellänge vom Fähranleger Golzwarden entfernt, bei Buhnentonne 109, stehen zwei Kardinalzeichen auf Pfählen. Zwischen den beiden muss man auf das erste Prickenpaar zusteuern. Pricken stehen neuerdings beidseitig, was ein großer Fortschritt gegenüber früher ist. Die flachste Stelle kommt allerdings erst, wenn man schon zwei, dreihundert Meter in der Einfahrt drin ist!

Schön an die Pricken halten, und möglichst mit auflaufendem Wasser fahren. Dann kann nichts schief gehen. Und: Man ist hier immer ganz alleine unterwegs, während der Strom der Boote, meist unter Motor, die Weser entlang rauscht, um möglichst schnell nach Bremerhaven zu kommen. Inmitten wunderbarer Stille und Natur…

Und weiter geht’s nach Rechtenfleth!

Nur einen Campingplatz weiter auf der Ostseite der Weser. Die Campingplätze von Sandstedt und Rechtenfleth gehen fast nahtlos ineinander über. Und wir befinden uns zwischen Brake und Nordenham auf dem schönsten Segelteil der Unterweser: links und rechts weiße Sandstrände (wo man auch mal ankern kann), freier Wind ohne Abdeckung und die Möglichkeit, lange Kreuzschläge zu segeln. Und bei Nordwind und ablaufend Wasser kann hier tatsächlich schon eine üble kurze Hack-See entstehen. Mit Jollen bin ich daran sogar schon mal gescheitert und hab mich in die Schweiburg verzogen, bis der Starkwind vorbei war! Noch übler gerät indes nur der „Ochsenhals“ , die S-Kurse zwischen Nordenham und Bremerhaven! Ein übles Stück Unterweser, zugleich das Letzte, wenn da mal Strom gegen Wind steht! Aber da sind wir an dieser Stelle ja noch nicht. Aber jetzt erst mal Rechtenfleth:

Man muss beim ersten Mal mutig sein: dicht ran an Buhne 76 und dann einfach den Pricken folgen! Die stehen wie Tore, links und rechts, und man muss nur mitten durch. Fällt zwar trocken, aber bald nach NW kommt man schnell rein (mit wenig Tiefgang). Viel schneller als etwa in Sandstedt. Rechtenfleth habe ich erst vor zwei, drei Jahren entdeckt. Bin einfach mal reingefahren. Vorher war mir die Buhne suspekt. Hier auch mal als Luftbild. Und mit Wasser. Rechtenfleth ist ein Sielhafen. Das Hinterland wird entwässert. Dadurch bleibt das Siel relativ schlickfrei, fällt aber komplett trocken.

Jetzt fahre ich ich sehr gern dort hin. Und das hat Gründe. Erstens das morgentliche Vogelgezwitscher. Sonst hört man nichts. Wunderbar. Dann die Lage mit Blick auf die Weser. Kaum oder keine Gastlieger, ab zu zu mal ein nettes Vereinsmitglied, oder an Land eine bunte Frau, die Papageien fliegen lässt (tatsächlich!). Ein Sanitär-Würfel, klein aber sauber. Etwas nervig sind allerdings die Stege mit der Metallauflage drauf. Erstens mag da kein Hund drauf laufen und zweitens machen die einen Mörder-Krach, wenn man morgens um sechse mal zum Klo will. Ansonsten: Freihafen-Abkommen! Bestens! Und wenn man nach Bremen oder Ritterhude zurück will, kommt man hier schon eine Stunde nach NW locker wieder raus. Ansonsten liegt man fett im Schlick dort.

Kleiner Kulturtipp: In Rechtenfleth gibt es nichts. Keinen Laden. Nichts. Aber dort ist als Museum das Haus des Heimatdichters Hermann Allmers zu besichtigen. Lohnt sich! Und auf dem Campingplatz ist eine Gaststätte, die unerwartet gute Speisen serviert! Lohnt sich ebenfalls!

Rechtenfleth im Morgenlicht
Rechtenfleth bei Sonnenuntergang

Von Rechtenfleth aus weiter nordwärts segelnd sieht an schon von weitem die Kuppel des AKW Niederweser, das natürlich nicht mehr in Betrieb ist, sondern abgebaut wird. Ein guter Orientierungspunkt. Denn eine Kabellänge vorher biegen wir in die Nordmündung der Schweiburg ein:

Schweiburg Nord: Beim Ankersymbol kann man wirklich toll ankern. Ganz ruhig, auch wenn auf der Weser große Pötte vorbeiziehen. Und da bleibt auch bei NW immer noch etwas Wasser stehen- siehe Seekarte. Nicht viel, aber es reicht. Und mit dem ersten Flutwasser rauscht man dann schon Richtung Heimat ab, während man in den Häfen, besonders im Absersiel, noch ein paar Stunden warten muss, ehe man aufschwimmt.

Auf in’s Absersiel!

Das Absersiel ist, von Norden in die Schweiburg einlaufend, die dritte Möglichkeit „rechts“. Die erste, und früher gut besucht, weil fast immer zugänglich, ist das letzte spülende Siel der Schweiburg, früher die „Marina Rodenkirchen“. Jetzt ist da, trotz des Fotos auf der Seekarte, nichts mehr an Anlegern. Die nächste Möglichkeit, rechts abzubiegen, auch mit Hinweisschild,

ist die Einfahrt ins Strohhauser Siel. Und wer das Absersiel schon für ein Abenteuer hält, der sollte sich dann zur Steigerung mal das Strohhauser Siel gönnen! Eng, flach, und dennoch Liegeplatz vieler und erstaunlich großer Boote! Aber kein Umfeld. Nur zur Tankstelle hat man es da nicht so weit, falls man mal Sprit holen muss! Aber erst mal ein Stück weiter fahren, bis als dritte Möglichkeit dann das Absersiel abzweigt. Ab 2026 haben sie die Ausfahrt/Einfahrt etwas verlegt: nicht mehr ganz so dicht am Ufer entlang und nicht mehr ganz so spitz anzufahren wie bisher. Sieht jetzt bei NW so aus:

Im Abersiel gibt es drei Wassersportvereine. Meiner ist der Abser Wassersport-Verein (AWV) und es ist gleich der erste Anleger rechts. Mein Zweitverein und sehr zu empfehlen. Sie haben damals meine Jugend-Flotte sehr unterstützt und waren und sind noch immer sehr gastfreundlich und Mitglied des Freihafen-Abkommens. Beim SYA, einen Anleger plus die Spundwand weiter, liegen vorwiegend dicke Motorboote und gegenüber bei der „Gaststätte zum Absersiel“ ist dann der dritte Verein. Die Gaststätte hat auch Duschen und vor allem eine klassisch-altdeutsch-preiswerte Speisekarte und meine Mannschaft schwört auf das dort erhältliche „Bauernfrühstück“ !

Abersiel, das ist eine friedliche, stille Welt. Es ist auch mähende Schafe am Deich, der stetige Wechsel von Wasser und Schlick und es ist die gute Möglichkeit, nahebei gut einkaufen zu können. Gleich hinterm Deich im Ortsteil Absen läuft man über den Bahnübergang und dann gleich rechts weg bis zu den Supermärkten von Rodenkirchen. Man liegt hoch und trocken und wenn man es eilig hat, mit der letzten Flut nach Bremen zu kommen, dann sollte man besser eine Tide vorher in die Nordmündung der Schweiburg beim AKW sich vor Anker legen. Allerdings: wenn man im Siel aufschwimmt, dann kann man auch gleich aus der Südeinfahrt der Schweiburg rausfahren, denn dann ist das Wasser dort schon hoch genug. Und es spart auch deutlich Weg. Aber bis Ritterhude schafft man es dann vermutlich nicht mehr, jedenfalls nicht unter Segeln. Absersiel ist mein ganz besonderer Vorschlag für einen Hafenbesuch und es wundert mich, dass so wenige „Fremde“ den Weg ins Siel finden. Das war früher, als das Siel noch in Betrieb war, ganz anders. Vor allem Pfingsten, wenn das rauschende Pfingstfest vor der Gaststätte abgeht. Auch heute noch…

Aber nun weiter nach Großensiel!

Neben Großensiel gibt es auch noch Kleinensiel. Logisch. Und früher ging da eine weitere Weserfähre nach Dedesdorf rüber. Heute stehen an den alten Anlegern in Kleinen siel noch ein paar versprengte Wohnmobilisten und auf der Dedesdorfer Seite tobt im Sommer das Leben: Bikertreff und Imbissbuden! Da müssen wir noch eben dran vorbei, und dann sehen wir am linken Ufer schon ein paar Kranausleger und wenn wir näher kommen auch einen grünen Mast als Hafeneinfahrtssignal. Da müssen wir dann ins Großensiel einbiegen, um dann gleich wieder hart Backbord in die Yachthafenzufahrt abzubiegen.

Großensiel ist ein großer Yachthafen. Drei oder vier Vereine. Fällt komplett trocken, ist aber – zumindest wenn gebaggert wurde – nach einer Stunde nach NW wieder erreichbar. Wenn man von Bremen kommt, dann reicht es immer bis hier (kurze Tide) und man muss bei NW erst mal ein Stündchen in der Einfahrt im Schlick liegen. Tee kochen oder Linseneintop heiß machen. Dann flott an die ersten Stege, wir sind wieder und zum letzten Mal im Bereich des Freihafen-Abkommens. Und Brötchenräder stehen da auch und oben gibt’s gute Waschmöglichkeiten und



mehrere Grillplätze. Und von oben ein schöner Blick auf die Weser! Aber zu Aldi ist man ganz schön lange unterwegs und nimmt besser gleich ein Brötchenrad. Früher gab’s ein tolles Café am Siel und gegenüber noch eine Hafenkneipe. Nichts ist mehr davon geblieben. Schade. Großensiel ist ein top Zwischenstopp, wenn man etwa von Bremen nach Fedderwardersiel oder Wremen oder zur Jade will. Bis hier kommt man ohne Stress und es findet sich auch immer eine Tide zum Weiterfahren.


Und nun nach Bremerhaven!

Bremerhaven bietet immer noch viele Möglichkeiten für Wassersportler. Früher aber waren es noch etwas mehr, weil noch zwei Anleger günstig erreichbar und ohne Schleuse in der Geeste lagen. Einer, für Segler, vor der Kennedybrücke, und der andere, für Motorboote, gleich dahinter. Beide gibt es jetzt schon einige Jahre leider nicht mehr. Weil schleusenfrei boten sie sich an, wenn man mal nur eben was einkaufen oder den Tidenwechsel abwarten wollte. Kommt man jetzt mit einem Segelboot in die Geeste eingelaufen gibt es keinerlei Möglichkeit auch nur für wenige Minuten irgendwo fest zu machen. Letztes Jahr hatten sie freilich den alten Steg wieder als „Notsteg“ ausgebracht aber nun ist wieder alles offen. Schade. Aber widmen wir uns nun den vielen anderen Möglichkeiten.

Ohne Schleuse kommt man nur als Motorboot noch eine Geestekurve weiter zur linksseitig liegenden Anlage des Wassersportverein Geeste (WVG). Da liegt man dann auch fast mitten in der Stadt. Fällt aber trocken.

Ansonsten zwei Schleusen: Die Fischereihafen-Schleuse eröffnet die meisten Möglichkeiten. Gehen wir in der Kategorie Entfernung vor. Da kann man gleich nach der Schleuse hart Backbord abbiegen und zur Anlage des Weser Yacht Clubs gelangen. Fährt man geradeaus weiter und nimmt die nächste Abbiegung nach Bb, kommt man in den Fischereihafen. Für alle, die gern mal gut Fisch essen wollen und auch gern mal im Touristentrubel liegen, eine gute Möglichkeit. Wer nicht abbiegt, dem bieten sich drei weitere Möglichkeiten, wenn das Wasser sich wieder weitet und ein kleiner Leuchtturm rechts am Ufer sichtbar wird: Eine Marina und ein weiterer Wassersportverein (Albatros Yacht Club und Marina Bremerhaven). Und wer dann immer noch nicht anlegen will, fährt noch weiter bis zum Ende des Hafenbeckens und ist dann schon im Ortsteil Wulsdorf angekommen und kommt gut beim Wassersportverein Wulsdorf unter. Da ist es dann sehr ruhig und neben der Vereinsgaststätte ist da nichts mehr los. Zu Fuß kann man aber einen großen Baumarkt erreichen, falls mal was zu reparieren sein sollte. Also reichlich Möglichkeiten, um in Bremerhavens Fischereihafen festzumachen. Die Schleuse geht jeweils zur halben Stunde raus und zur vollen rein (oder umgekehrt, ich vergesse das immer), aber das muss nicht gelten, wenn dringend irgendein Dickschiff rein oder raus muss.

Und nun die andere Schleuse: Schleuse Neuer Hafen. Die befindet sich direkt beim Zoo am Meer und zwischen den beiden so unterschiedlichen aber doch sehenswerten Leuchttürmen. Die Schleuse ist ziemlich neu und es kommt dort auch – gefühlt – ausgewählt freundliches Personal zum Einsatz. Der Ton ist deutlich ein anderer als bei der Fischereihafenschleuse. Oder war. Ich bin lange nicht mehr in den Fischereihafen eingeschleust. Da die Schleuse Neuer Hafen aber auch eine Notfallschleuse ist (etwa für kleine Boote bei Sturm), kann man jederzeit einschleusen auf Anruf (Funk / Telefon). Ausschleusen aber nur zur jeweils vollen Stunde. Auch da wird empfohlen, die Schleusung vorher anzumelden. Klappt prima. und ich kenne keine Schleuse, die flotter arbeitet. Nach Verlassen der Schleuse hart Backbord zu den Stegen von ImJaich, die dort auch ein Hotel betreiben. Guter Standard insgesamt und gleich hinterm Hafen sieht man das Blau einer Aral-Tankstelle. Falls man mal einen Kanister zur Sicherheit nachfüllen will. Ansonsten Bistro, viel Tourismus und erleuchtete Nächte. Hat was, brauche ich aber nicht so oft. Nur das Schleusen, das überzeugt!