Gut, „Fettsiel“ sagen wir immer und müssten es doch „Fed.siel“ schreiben. Fedderwardersiel, wo noch Krabbenkutter liegen, genau wie in Wremen. Die Letzten ihrer Art vermutlich. Aber noch gibt’s da frischen Granat! Ein heißer Grund mehr, um mal dahin zu segeln!
Aber wie kommt man hin nach „Fettsiel“ ? Nun es gibt zwei Möglichkeiten. Die zweite ist etwas gewagt, klappt aber mit nicht zu viel Tiefgang. Die Erste mit Warterei und die zweite ohne. Fangen wir also mal „klassisch“ an (xmal gefahren bei fast jedem Wetter):

Man startet in Großensiel oder Bremerhaven. Ab Großensiel eine dreiviertel Stunde früher. Mit der zweiten Hälfte der Ebbe. Spätestens bei NW sollte man am Eingang des Mittelpriels sein. Bei der grünen Wesertonne 43 (früher mal Tonne „W“, deshalb damals immer „Willi-Weg“ genannt). Von Bremerhaven bis Tonne 43 sind wir immer links außerhalb des Fahrwassers gefahren. Da ist es erstens meistens ruhiger, was den Seegang betrifft und zweitens stören wir dort nicht den Großschiffsverkehr an der langen Containerkaje. Und Ausweichen müssen wir auch niemandem. An einer steilen Sandbank sehen wir bald schon die ersten Seehunde. Manchmal schwimmen neben uns auch Schweinswale. Eher selten aber. Seehunde fast immer. Wir segeln / motoren zwischen den grünen Steuerbordtonnen der Weser und den gelb/schwarzen Buhnentonnen. Tief ist es da überall. Aber beim Abbiegen in den Mittelpriel nach dem schwarz/weiß geringelten Oberfeuer-Turm „Wremer Loch“ und vor der Tonne 43 (siehe Karte) wird es ganz schnell ganz flach. Bei NW, erst Recht bei Springtide, sitzen wir da ggf. schon fest. Aber nicht erschrecken, ist harmlos und wir schwimmen bald schon wieder auf!

Zunächst einmal bewegen wir uns auf die rot/schwarze Einzelgefahrentonne zu. Die liegt auf einem Steinhaufen. Man kann an allen Seiten dran vorbeifahren, nur nicht drüber. Und dann halten wir auf die drei Ansteuerungspricken des Mittelpriels zu. Ab da wird es wieder tiefer, bis wir nach ca. 1 nm an den „Knick“ kommen:
Wir müssen den Pricken nach „rechts“ folgen, da ist aber noch alles hoch und trocken. Und der Priel läuft aber geradeaus weiter. Also Anker raus und die Linsensuppe heißmachen. Oder baden gehen oder die Natur genießen oder den Hund über die Sandbank stratzen lassen oder mit den Kindern im Restpriel Granat fischen mit dem Kescher oder – als Angler -weiter oben Wattwürmer ausgraben. Es gibt viel zu tun, aber wir haben auch noch sehr viel Zeit! Denn genau vor uns liegt das Wattenhoch. Und da kommt man nicht so schnell rüber, wie man meist glaubt. Auch ich neige dazu, zu früh den Anker zu lichten und weiterzufahren. Meist nur ein paar Meter, dann sitzt man wieder fest. Also, lieber gleich ein Nickerchen machen oder ein Buch lesen und einfach etwas länger warten…

Bei dem Ankersymbol müssen wir nicht nur vor Anker warten, wir dürfen es auch! Wir dürften hier sogar über Nacht ankern, denn es ist einer der inzwischen ganz wenigen offiziellen Ankerplätze im ach so geschützten Wattenmeer. 95% Prozent des Watts sind bei uns gesetzlich geschützt, in Holland sind 95% unreguliert und in Dänemark ist gar nichts reguliert. Wer leidet nun unter Regulierungszwang? Holländer und Dänen sicher nicht. Auf der linken Seite der Karte sehen wir dann schon die Ausläufer des Fedderwarder Priels, den wir nach Überwindung des Wattenhochs auch bald erreicht haben. Danach beginnt die Prickensuche! Je näher man nach Fettsiel kommt, desto weniger Pricken finden sich da noch. Und der Fedderwarderpriel ist breit und tief! Da muss man nicht dicht an den Pricken fahren! Die stehen ja schon auf dem Hohen. Also schön Abstand halten und nur beim Wattenhoch dichter ran an die Pricken, was aber auch nicht so ganz viel bringt, denn es ist ja mehr oder weniger ein Plateau.


Früher lagen in der nördlichen Kurve des Fedderwarderpriels noch rote und gelbe Tonnen. Alle weg. Eingespart. In manchen Karten sind sie noch drin, aber man sucht sie vergeblich. Was ist zu tun? Man fährt den Prickenweg nördlich bis ans Ende und peilt dann südsüdwestlich nach den nächsten Pricken. Wiederum eine Dreierpricke als erste. Jedenfalls letztes Jahr. Bei Corona standen da monatelang gar keine Pricken. Da wurde die Fahrt zum Abenteuer, denn nach Plotter fahren ist nicht immer zielführend, weil die Wattenpriele höchst selten berichtigt werden und man teils „über Land“ fährt. Also mit wachen Sinnen und Echolot sich langsam vorwärtstasten. Wie früher, als es noch Seenebel gab. Dann aber Achtung: die Pricken wechseln jetzt zweimal die Seite! Mal links, dann rechts, dann wieder links! Und am Ende fährt man haarscharf auf eine Buhne zu,
um knapp vorher nach links einzubiegen und dem stark strömenden und tiefen Priel zu folgen. Das muss so! Und dann stehen auch wieder ausreichend Pricken bis zu den Häfen. Häfen? Ja, es gibt zwei. Den Fischerhafen und den Sportboothafen. Letzeren sollte man jetzt besser „Wohnmobilhafen“ nennen, denn der BYC hat längst umgestellt von Wassersport auf Landsport.
Welchen Hafen soll ich nun wählen? Nun, im Fischereihafen liegt auch ein Boots-Schlengel aus. Früher war der immer voll, heute meist leer. Wer Lust hat, sich den ganzen Tag von den Touris begutachten zu lassen und auch nachts keinen Wert auf ruhigen Schlaf legt, der wäre da genau richtig! Alle anderen fahren lieber in den Wohnmobilhafen, früher Yachthafen. Da gab es früher einen Hafenmeister, jetzt Wohnmobilbetreuer, und der kommt auch nicht mehr nach HW zum Boot, sondern hat feste Anwesenheitszeiten. Trost: mit dem Boot zu liegen ist immer noch biliger als mit dem Wohnmobil zu stehen! Sanitär prima, und echt zu empfehlen ist die Bank oben am Clubhaus: man hat dort den besten Blick überhaupt über die ganze Wesermündung. Man sieht die dicken Pötte, man sieht Wremen gegenüber und man sie die Container-Krane in Bremerhaven. Viel zu sehen. Vorher noch ein Pfund Granat im Fischladen kaufen und dabei pulen!
So, das war Nummer 1 von den beiden Möglichkeiten, nach Fettsiel zu kommen. Es folgt Nummer 2:
Abkürzung über Langlütjensand. Das wäre die korrekte Bezeichnung und sie funktioniert in beide Richtungen: von Brhv nach Fettsiel und umgekehrt. Hier zunächst mal ein Bild davon (es geht um die rote Linie):

Links am Kartenrand ist Fedderwardersiel (Bootssymbol). Man fährt also den Prickenweg mit den die Seiten wechselnden Pricken wieder zurück bis zum Wattenhoch, das vom Fédderwarderpriel überleitet in den Mittelpriel. Dort, am scharfen Linksknick des Prickenweges, verlässt man den Prickenweg und fährt mehr oder weniger genau auf die Buhnentonne 37 zu. Das ist eine gewaltige Abkürzung und es ist tief genug, wenn man in Fettsiel aufgeschwommen ist und aus dem Hafen gekommen ist. Man überquert den Suezpriel (mal aufs Echolot schauen und sich wundern, wie tief es da teilweise ist) und irgendwo bei Buhne 37 fährt man ins Weserfahrwasser zurück, bzw. außerhalb des Fahrwassers zwischen grünen und gelbschwarzen Tonnen. An der Stelle ist jeglicher Damm versackt und man muss keine Steine fürchten. Wenn man es grob anpeilen will aus der Ferne: Bu37 ist ungefähr nach dem ersten Drittel der Kaje von links/weserabwärts gezählt. Rechts bleiben dann noch grob zwei Drittel der Kaje. Ich bin da mit Booten von 1,30m Tiefgang rübergesegelt, aber habe immer den Revierfunk abgehört vorher. Wenn nämlich Süd- oder Ostwind ist und 40cm weniger auf dem Watt stehen, dann würde ich dann nur noch mit dem Jollenkreuzer rüberfahren. Oft, bei NW-Wind etwa, stehen aber auch 30cm mehr Wasser auf dem Watt, als die Karte sagt. All das sagt uns der Revierfunk. Und niemals bei ablaufendem Wasser solche Abkürzungen fahren, aber das macht eh keinen Sinn, irgendwo gegen die Tide zu fahren.
Will man umgekehrt von Brhv nach Fettsiel diese Abkürzung nehmen, dann sollte man ca 1h vor HW bei Bu37 sein und abbiegen. Man hat dann fast keinen Strom mehr gegenan und hinterm Wattenhoch läuft es dann schon wieder leicht ab. Und man kommt noch locker und sicher in Fettsiel in den Hafen. Und – wenn man weiter will und nicht viel Tiefgang hat – dann käme man mit etwas Glück auch noch über das Wattenhoch der Kaiserbalje, rüber zur Jade. Man sieht wieder mal: Tiefgang ist entscheidende, nicht nur in der Diskussion, sondern auch im Watt…

Und jetzt Wremen!
In Wremen ist man schneller als in Fedderwardersiel. Liegt einfach dichter bei Bremerhaven und hat kein Wattenhoch, nur das Wremer Tief. Das heißt zwar „Tief“, fällt aber total trocken und zieht sich ganz schön hin, zuetzt mit wilden Kurven. Das Besondere am Wremer Tief ist, dass die Pricken von den Fischern selbst gesteckt werden. Da gibt es kein Bb oder Stb, man muss es einfach kennen! Mal stehen sie nur auf einer Seite, dann wieder auf der anderen und zuletzt auf beiden Seiten! Und alle sehen gleich aus: naturgewachsene Äste der Lärche , alle ähnlich und doch jeder anders. Also bitte nur bei auflaufendem Wasser einlaufen, wenn möglich. Und nicht, wenn hinter dir ein Fischkutter aufkommt! Der drückt dich mal eben auf die hohe Kante beim Überholen. Die Fischer finden sogar nachts die Tiefen des Priels, wir meistens nicht. Aber wer wollte da schon nachts rein oder raus? Also erst mal ein Blick auf die Karte:

Eine Stunde vor HW verlassen wir Bremerhaven und schippern außerhalb des Fahrwassers Richtung Nordsee. Wenn wir die ganze Containerkaje passiert haben und kein Schiff kommt, queren wir das Fahrwasser auf die „richtige“ Seite. Nach der Buhnentonne Bu16 (bloß nicht vorher, wie ich es mal getan habe und heute noch bereue!) blinken wir rechts und nehmen Kurs auf die erste rote Tonne im Wurster Arm mit der Bezeichnung W50. W für Wurster Arm. Die fällt manchmal fast trocken. Von dort aus sehen wir die ersten, von den Fischern ausgelegten kleinen Tonnen und danach die Pricken. Und dann viel Glück! Jedenfalls beim ersten Mal. Allerdings nicht um Hochwasser herum. Da geht das immer glatt. Und so planen wir jetzt ja. Da es nicht weit ist, sind wir kurz vor HW los, um kurz nach HW anzukommen. Dann bekommen wir auch noch Chance, einen freien Liegeplatz der Wremer Sportschipper e.V. direkt anfahren zu können. Da muss man bei wenig Wasser nämlich erst über Schlickberge hinweg!
Vor- und Nachteile von Wremen als Hafen:
+
Relativ leicht erreichbar. Netter Verein. Fressbuden schnell erreichbar. Schönes Frühstücks-Bistro am Hafenende. Viel Tourismus, aber nachts ruhig. Anfahrt des Wremer Tiefs ist spannend bis Abenteuer.
–
Viel Schlick im Hafen, vor allem bei den Bootsliegeplätzen. Da man erst kurz vor HW wieder rauskommt (vom Liegeplatz), schafft man es mit der Restflut nur bis Bremerhaven, mit etwas mehr Drehzahl vielleicht noch nach Großensiel.















