03.05.26 Aufbruch bei Nacht

Sonnenaufgang gegen sechs Uhr über der Weser. Wir liegen vor Anker in der Schweiburg-Mündung Nord, ganz in der Nähe des ehemaligen AKW Unterweser. Im Dunkel sind wir ausgelaufen, mit dem letzten guten ablaufenden Wasser im Absersiel. Die Pricken zu finden war anfangs nicht ganz leicht wegen der Dunkelheit, aber Pricke für Pricke wurde es etwas heller und unsere Augen gewöhnten sich an die Dunkelheit. Wir sind jedenfalls gut rausgekommen und hatten uns gestern bei einem Abendspaziergang noch mal die trocken gefallene Mündung des Absersiels in die Schweiburg von der Wiese aus angeschaut. Dazu später mehr Infos und vor allem Bilder. Jetzt bin ich so müde, dass ich erst mal wieder in die Koje gehe. Es ist noch viel Zeit bis Niedrigwasser. Also, dann bis später… und einen schönen Sonntag! Gefrühstückt habe ich schon…

Halb neune ist es inzwischen. Ich hab versucht, noch etwas Schlaf nachzuholen, aber daraus ist nicht viel geworden, nur etwas Ruhe in der Koje, immerhin. Und Radio hören dabei. Auch schön. Dann mal eben wieder Ankerlage und Wassertiefe gecheckt und beschlossen, ins etwas tiefere Wasser zu verholen. Damit wir nicht trockenfallen und nach NW noch wieder auf die Flut warten müssen. Also Anker auf und ein Stück weiter Richtung Weser gefahren. Für Kenner: Wir liegen jetzt direkt vor dem Beckumer Außentief am AKW Niederweser. Der Pegel ist auch ganz in der Nähe, liegt aber schon trocken.

Das rote Dreieck, das ist die Brise. Und die Dralle Deern hat nachgezogen und liegt vor Anker jetzt hinter mir. Wenn das Wasser wieder Richtung Ritterhude läuft, dann müssen wir nur kurz um die Spitze der Strohauser Plate rum, die kleine Buhnentonne noch mitnehmen, und dann treibt uns der Strom Richtung Heimat.

Das Wetter ist schlechter geworden, aber erträglich. Gelegentliche Schauer, bedeckt und kaum Wind. Und der kommt uns heute leider entgegen. Segeln sehe ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht, dann nehmen wir halt den Wind aus dem Tank.

Aber werfen wir erst noch einen Blick zurück auf den gestrigen Abend, jetzt, wo gerade die Sonne hier durchbricht über der Schweiburg.

„Männer überm Absersiel“ möchte ich dieses Bild nennen. Tobias und Ralf, mit verschränkten Armen bewundernd, was sich da vor ihren Augen an Schlickwüsten in der Mündung des Siels auftut bei Niedrigwasser. Und wie einen die geschickt gesteckten Pricken da sicher durchlotsen können – wenn man sie versteht. Und vor Augen haben sie auch noch das Foto, wo Bernd mit der „Robbe“ einst hoch und trocken über dem Siel lag, weil er genau eine Pricke zu früh den Kurs gewechselt hatte. Und weil es abends am Siel so schön ist, hier gleich noch mal zwei Fotos:

Wie geht es nun weiter? Nun erst einmal hat es für als Einhandsegler heute schon ganz gut geklappt. Im Dunklen aus dem Siel, dann zwei Ankermanöver, die auf Anhieb klappten. Und da ich keinen Ankerball an Bord habe, wurde einfach ein Fender ins Rigg gezogen. Aber hier kommt eh keiner vorbei, für den das wichtig werden könnte. So dicht an der Weser, und doch so wenig los in Sachen Wassersport! Es ist kaum nachvollziehbar, warum sich so wenige Wassersportler zwischen Bremen und Bremerhaven hier nicht reintrauen. Die kennen dazwischen nur noch Elsfleth mit tollen Sanitäranlagen und italienischem Restaurant am Hafen. Nicht schlecht, aber man muss immer schleusen und es kostet. Hier in der Schweiburg gilt das Freihafenabkommen und wir liegen drei Tage lang kostenfrei bei den Vereinen.

Also, wie geht es weiter? Wir warten auf die Flut. Und dann erst mal mit Motor Richtung Ritterhude. Ich erwähnte es bereits. NW ist hier um viertel vor elf. Dann noch ein paar Minuten warten, bis das Oberflächenwasser auch die Richtung gewechselt hat. Sonst fahren wir „gegenan“, obwohl das Wasser schon wieder steigt.

Dann wieder kurzer Stopp im Grohner Yachthafen zum Mastlegen. Wird etwas länger dauern als gewöhnlich. Bei Brise muss der Jütbaum abgelegt werden, weil nahe HW wir sonst in der Schleuse hängen bleiben. Und auf der Drallen Deern machen sie das ja zum ersten Mal – mit meiner Unterstützung. Aber Legen ist deutlich einfach als Stellen. Wird also nicht ewig dauern, und dann weiter zur Ritterhuder Schleuse. Die rufen wir dann an, wenn wir die BAB-Brücke über die Lesum erreicht haben. Das gibt den nötigen zeitlichen Vorlauf, um ggf. die Tore in die richtige Stellung zu bringen bei der Schleuse. Die laufen ja seeeehr laaaangsam bekanntlich. Aber sie laufen. So, jetzt noch ein paar Fotos von heute, vielleicht auch ein kleiner Film. Dann tschüß bis zum Fazit heute Abend!


Veröffentlicht von

Kommodore

Segler im Wattenmeer seit sechs Jahrzehnten. Ausbilder für Sportbootführerscheine und Seefunkzeugnisse. Begeisterter Fan von Schlickhäfen und Wattenprielen, Wattwürmern, Flundern und Granat.

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