03.05.26 Finale und Fazit

Die Schweiburg-Bake. Ein Oberfeuer für die Weser, nicht für die Schweiburg. Sie steht auf den letzten festen Landmetern der Strohauser Plate. Davor sind zwei aufeinander zulaufende Steinmauern gesetzt, die ein spitzes Dreieck bilden, das sich mit Schlick aufgefüllt hat. Bei HW sieht es aus, als könne man darüber abkürzen. Man wird aber nicht weit kommen, wenn man es versucht. Bei NW, wie auf dem Foto, sieht man dann das ganze Gebilde. Und nur bis dort steht bei NW in der Schweiburg auch ein wenig Wasser, wo man gut ankern kann, wenn man genau bei NW dann mit der ersten Flut weseraufwärts fahren will – wie wir heute.

Aber wir sind etwas zu früh gestartet. Ich habe mich von dem Wasser täuschen lassen, das plötzlich von der Weser in die Schweiburg einlief. Das muss aber von irgendeinem Dampfer gestammt haben, denn das Oberflächenwasser lief noch deutlich ab. Ein Blick mit dem Fernglas auf die Fahrwassertonnen hätte mir das sagen können. Aber egal: wir fuhren außerhalb des Fahrwassers, nahe am Ufer, und da war nicht mehr viel Strom. Und spätestens in Höhe Rechtenfleth hatten wir Stauwasser, die Tonnen standen für ein paar Minuten kerzengerade. Und ab Sandstedt schob dann erst vorsichtig, ab Brake kräftiger, der Flutstrom mit. So kamen wir zügig voran, nur mit segeln war nichts. Mal war kein Wind, dann wieder genau von Süden, also „auf den Kopp“, was zeitraubende Kreuzschläge erfordert hätte.

Der Außenborder der Brise läuft wie eine Nähmaschine und verbraucht sehr wenig Sprit. Gefühlt war nach Fahrtende der Tank immer noch genauso schwer/voll wie bei Fahrtantritt. Ein gutes Zeichen. Nur das Standgas muss ich etwas höher stellen, weil er da manchmal ausgeht. Aber Rumpfgeschwindigkeit muss bei knapp fünf Knoten liegen und plus Tide sind wir in weiten Strecken so mit 7kn über Grund unterwegs gewesen. Das reicht. Und so waren wir flott in Grohn, wo wir genauso flott unsere Masten wieder gelegt haben.

Bei der Brise habe ich, weil ich Schleusen-Höhen-Sorgen hatte, den Jütbaum nach gelegtem Mast geteilt und abgelegt. Ebenso an der hinteren Maststütze mit einer Tauwerks-Schlaufe für ein etwas tieferes Lager gesorgt habe. Beides hat die Durchfahrtshöhe erstaunlich stark reduziert, deutlich mehr, als was in der Schleuse nötige gewesen wäre.

Schleuser Marco hatte schon das Tor offen und „grün“, als die Ritterhuder Schleuse erreichten. Die Kommunikation (ab Autobahnbrücke Lesum) hat wieder einmal funktioniert. Dann haben auch beide Anlegemanöver auf Anhieb geklappt und unabhängig voneinander haben wir unsere Masten gestellt und an Bord aufgeräumt. Ich war erstaunt, wie schnell und gut Tobias und Ralf den Mast der Drallen Deern wieder stehen hatten. Und ich war zugleich froh, dass ich das auf der Brise schnell und ganz allein erledigen konnte. Was etwas aufhielt, weil ich alleine war, waren wirklich Kleinigkeiten im Ablauf, die noch abgestellt werden mit einfachen Mitteln.

Fazit des Törns:

Was war das Ziel?

Für die Dralle Deern eine technisch-fahrerische Übergabe des Bootes, eine Art „Lehr-Törn“ für die neuen Eigner. Dazu musste ich nicht an Bord sein, aber ich war immer in der Nähe und in den Häfen natürlich auch mal an Bord, wenn es etwas zu erklären gab. Gleichzeitig sollte es für Werner und mich ein erster Test mit der deutlich kleineren Brise werden. Würden wir da überhaupt schlafen können, kochen, und ausreichend Stauraum finden? Wie sind die Fahreigenschaften unter Segel und unter Motor?

Das Ergebnis:

Für alle Seiten – so höre ich – ein volles „Sehr zufrieden“ aus ganzem Herzen! Die Dralle Deern-Crew muss sicher die vielen Eindrücke erst mal sacken lassen, von freifliegenden Papageien in Rechtenfleth bis zur wunderbaren Natur in der Schweiburg. Der Wind war mit uns- jedenfalls an zwei von drei Tagen. Beide Boote waren ungefähr auch gleich schnell unter Segeln. Jedenfalls bei achterlichen Winden. Die Kreuz müssen wir noch testen und dann wird es hart für die Dralle Deern-Crew mit Schwert rauf und Schwert runter, ohne Winschen für die Vorsegel und dann auch mit zwei Vorsegeln! Da lobe ich mir jetzt – dem Alter sei’s gezollt -die wunderbare Rollreffgenua auf der Brise. Und sie knistert noch so schön, weil sie noch fast neu ist. Auch das Großsegel ist von guter Qualität. Ich werde es noch umbauen, dass ich es vom Cockpit aus setzen und niederholen kann. Ein Sicherheitsaspekt.

Was ich aber unbedingt noch benötige, und das hat mir der heutige Einhandsegeltörn gezeigt, ist ein Autopilot. Eine Pinnensteuerung, oder Pinnenpilot genannt. Dann kann ich das Ruder auch mal loslassen, einen Tee kochen, den Anker klarieren oder ein dringendes Geschäft verrichten ohne akrobatische Tugenden an den Tag legen zu müssen. Ja, und die stabile Gummi-Pütz als Klo-Ersatz habe ich heute auch eingeweiht. Hat geklappt, wie früher, wie immer…

Jetzt bin ich reichlich fix und alle und mache noch an den Fotos und Filmen rum. Die werde ich natürlich, wenn fertig, auch hier verlinken. Also ruhig noch mal reinklicken in den nächsten Tagen! Zum Schluss steht ein Foto und Clip aus dem Hafen, als alles und alle fertig waren:


Veröffentlicht von

Kommodore

Segler im Wattenmeer seit sechs Jahrzehnten. Ausbilder für Sportbootführerscheine und Seefunkzeugnisse. Begeisterter Fan von Schlickhäfen und Wattenprielen, Wattwürmern, Flundern und Granat.

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