Melchershütte am Pfingstsamstag

Melchershütte ist einer der verbliebenen Gaststätten an der Hamme, an denen dereinst die Hundertschaften von Torfkahnfahrern mit „Jan von Moor“ an der Pinne anlegten. Meist auf dem Rückweg von Bremen, um vom Tor´f-Erlös ein paar Cent in Bier und Köhm umzuwandeln. Es war ja auch eine schweißtreibende Arbeit, wenn kein Wind war oder derselbe aus der falschen Richtung wehte. Dann mussten sie staken (wenn’s flach war) oder treideln.

Ohne Sondergenehmigung darf man heute nur bis Tietjenshütte fahren, auch so eine Torfkahnschipper-Klause in früheren Zeiten, in Höhe von Osterholz-Scharmbeck. Danach nur die Anlieger aus den Hamme-Wassersportvereinen, die eine jährlich neu zu beantragende Sondergenehmigung vorweisen müssen und dann im Treidel-Torfkahn-Tempo (TTT) von 5 km/h weiterfahren dürfen. Bei Seitenwind ist dann ein Boot gar nicht voll steuerbar. Wer sich sowas ausdenkt, der ist weit davon entfernt, jemals Bootsfahrer gewesen zu sein! Überhaupt: warum muss man etwas einschränken oder verbieten, wenn es eh von immer weniger Wassersportlern wahrgenommen wird? Erstens regelt sich das von alleine (und damit ohne Verwaltungsaufwand) und zweitens haben Wassersportler noch nie der Natur in irgendeiner Weise geschadet. Sie würden sich ja selbst schaden, wenn sie es täten. Aber ein gutes, grünes Gewissen scheint von manchen Politikverantwortlichen ja albtraumhaft zu verlangen, Verbote auszusprechen, um wen oder was auch immer zu „schützen“.

Wie auch immer: Unsere Sondergenehmigung ist an Bord und Dorit und ich starten heute mal Richtung Melchershütte!

(Weitere Fotos werden hier im Laufe des Tages folgen.)


Es war am Ende ein schöner Törn. Anfangs irgendwie langsam, weil sich ein dicker Stock quer vor die Kimmkiele verkeilt hatte und wir ihn den ersten Kilometer munter vor uns herschoben. Bei Melchershütte ein Moorbier getrunken, eine Bratwurst genossen und mit netten Nachbarn geklönt, die auch schon vor Jahrzehnten mit Seitenbordmotor die Hamme befahren hatten wie ich einst.

Auf der Rückfahrt waren dann schon etliche Kajaks auf dem Wasser unterwegs und einige wenige Motorboote kamen uns auch entgegen. Insgesamt aber war – für Pfingsten – sehr wenig los auf der Hamme. Hier nun ein paar Fotos:


Heute mal „Trans…“

Früher, als Deutsche noch Deutsch sprachen und kein Denglisch, sagte man zu dem Teil, das mich heute und gestern beschäftigt hat, „Echolot-Geber“ . Und jeder, der mit Seefahrt zu tun hatte, wusste, was gemeint war. Heute heißt so ein Teil „Transducer“ . Da wird der deutsche Skipper zur „Trans“ -Person und bringt sich besser gleich noch ein Wörterbuch „Denglisch-Deutsch“ mit, da auch die deutsche Bedienungsanleitung diese „Fachbegriffe“ nicht ins Deutsche übersetzt. Denn wenn der „Transducer“ erst mal montiert ist und sendet und empfängt, dann muss man ihm über den „Plotter“ erst einmal mitteilen, was man denn gern für Daten von ihm hätte und wie man ihn polen soll. Denn er macht ja nicht nur einfach immer „Ping“ und wartet, bis das Signal vom Seeboden zurückkehrt, damit er die Laufzeit messen kann und daraus die Tiefe berechnet. Er kann seine Signale ganz unterschiedlich senden, empfangen und aufbereiten. Je nachdem, ob ich einen „Foreward-Scan“, „Down-Scan“ oder „Side-Scan“ beauftrage! Und wenn ich noch mehr Geld für teure „Transducer“ ausgeben würde, dann kämen die mit noch mehr tollen „Features“ und Namen daher.

Brauche ich aber nicht. Denn ich will nur die Tiefe unter mir wissen. Vielleicht auch noch die Art des Grundes, das aber zuverlässig und herunter bis „0“, also dem Zeitpunkt, wo es unterm Kiel knirscht – oder saugt.

Dafür habe ich nun einen „Inboard-Transducer“ der preiswerteren Art erworben. Der kam freilich auch nur mit englischer Montage-Anleitung und reichlich fremden Fachwörtern daher. Brauchte ich aber nicht, denn solche Montage ist keine Atomwissenschaft. Schon gar nicht, wenn man in seinem Leben schon ein Dutzend „Transducer“ montiert und angepasst hat. Zu Zeiten freilich, als sie noch „Geber“ hießen.

Gestern also mit weißem Silikon das äußere Gefäß von innen auf den Schiffsboden geklebt und alles schön wasserdicht verstrichen. Ein wenig seitlich, durch die Backskiste zugänglich, aber den Fehlwinkel konnte man durch die besondere Art der Montage wieder ausgleichen. Strahlt also senkrecht nach unten, obwohl der leicht schräg, der Schiffsform folgend, montiert ist. Da hat schon mal einer nachgedacht. Und es muss sich nun nur noch ein anderer finden, der das so in deutscher Sprache beschreiben kann, dass es nicht komplizierter wirkt als gänzlich ohne Montage-Anleitung.

Heute 75ccm Frostschutzmittel eingefüllt, dann den „Transducer“ mit von Vaseline umriebenem Gummiring abgedichtet und mit leichtem Rechtsdruck in die Bajonettfassung eingerastet. Danach sofort den Simrad Go9 XSR gestartet und – oh Wunder – die Tiefe wurde ohne wenn und aber angezeigt. Jetzt musste ich nur noch den Versatz zwischen „Transducer“ – Level und Unterkante Kimmkiele einstellen (-30cm) und dann bekomme ich eine „0“ angezeigt, wenn die Kiele aufsetzen. Mir fehlte im Verein aber eben noch die Sandbank, um das auch zu „verifizieren“ (um auch mal ein lateinisches Wort zu bemühen, für das man auch „beweisen“ sagen könnte, aber das kann ja jeder…) Natürlich nur im „Downscan“ . Und die Fischanzeige habe ich deaktiviert. Die nervt nur, zumal das gar nicht alles wirklich Fische sind, was da angezeigt wird. Wenn ich mal angeln will, dann kann ich das ja wieder umstellen.

Jetzt läuft alles: der neue Simrad Go9 XSR und der alte KP-27X und das hochmoderne Seefunkgerät mit Touchdisplay müssen nur noch alle im selben NMEA2000-Netz ihre Daten teilen. Da fehlt mir nur noch ein „Patch“ -Kabel für den „Backbone“ und dann ist das so. Dann wird es möglich sein, dass das MFD (Multifunktionsdisplay) Go9 XSR nicht nur alle AIS-Schiffe anzeigt, sondern dass ich per Fingertouch auch auf dem Display eine digitale Funkverbindung herstellen kann. Im Bruchteil einer Sekunde. Und es gibt ja Situationen auf See, da hat man nur noch diesen Bruchteil… Möge mir das erspart bleiben, denn ich kenne das ja schon…