
All Morgen ist ganz frisch und neu…
Wenn man erstens wieder mal gut geschlafen hat (unter überlangen Bettdecken, wie die Ehefrau bemerkt) und dann die ersten Sonnenstrahlen das Schlafzimmer zu fluten beginnen – entgegen der Wetterprognose – dann beginnt wirklich ein neuer Urlaubstag! Zwar müssen wir die optimale Dosierung des Ostfriesentees für die kleinere Kanne noch weiter testen, aber „zu stark“ hat mir noch nie geschadet und Dorit verdünnt ihren Tee-Extrakt dann erst mal mit heißem Wasser. Drei Teelöffel sollten aber passen vom guten Thiele-Tee. Zuhause müssen es vier sein. Auch das ist Urlaub, mal den Tee anzupassen, oder?
Was steht heute auf dem Programm? Mich zieht es schon länger ins legendäre Süderbrarup. Warum auch immer – ich weiß es nicht. Vermutlich ist es nur der Name selbst, der mir so deftig nordfriesisch erscheint. Aber da gibt es auch mancherlei Geschäfte, Friseure (ich brauche keinen mehr) und überhaupt alles, was der Nordfriese und sein Feriengast so gebrauchen könnten. Also fahren wir mal hin, denn es liegt genau um die Ecke. Und die Dame des Hauses möchte gern mal nach Ulsnis. Da hatten die damals noch vier Freundinnen mal vor Jahrzehnten Zimmer gemietet, von wo aus sie mit der ersten Generation von E-Bikes die Schlei-Gegend erkundeten. Seit damals schwärmt Dorit von dieser Gegend, die inzwischen auch mich ganz in ihren Bann gezogen hat. Ich könnte fast eingestehen: die einzige Gegend, die mir fast so gut gefällt wie Schlickhäfen und Wattenmeer. Und das will schon was sagen. Also, macht Euch auf schöne Fotos gefasst, die hoffentlich im Laufe des Tages entstehen werden – wenn das Wetter weiter der Prognose widersteht. Jetzt ist es gerade neune, das Frühstück liegt eben hinter uns, und wir rüsten uns – ganz entspannt – auf Süderbrarup, Ulsnis und was da alles noch so kommen mag.
Danach muss ich mich dann um die Antenne für meine Kurzwellenstation kümmern. Morgen ist Donnerstag, und um 2100 Local Time muss ich die Conveniat-Runde einberufen und leiten. Auf 3562 Kilohertz und in Morsetelegrafie. Mit nur 5 Watt Sendeleistung, die sogar bis in die Schweiz reichen in der Regel. Antenne ist immer der Knackpunkt, denn für’s 80m-Band braucht man viel Draht, und den muss man möglichst hoch hängend und frei spannen. Und eine Erde braucht man auch. Aber ein Funker hat sowas immer im Blick, wie der Kettensäger die hohen Bäume. Am besten mal mit dem Werftboss schnacken, was geht und was nicht. Das beruhigt dann auch die Dame des Hauses, jedenfalls mehr als blinde Würfe meinerseits über Balkons, Bootkrane, Stege und Sonnendächer. Vorweg aber noch mal die ganze erste Strophe jenes schönen Liedes, mit dem ich als Zitat diesen Tag weiter oben begann:
"All Morgen ist ganz frisch und neu
des Herren Gnad und große Treu.
Sie hat kein End den langen Tag,
drauf jeder sich verlassen mag."
(Ev. Gesangbuch Nr. 440)

Mittagsbericht



Ein Briefkasten. Aber nicht irgendeiner. Der von Lindaunis. An Efeu-Wand. Aus drei Entfernungen fotografiert. Habe ich vor ein paar Jahren schon mal so fotografiert, als wir mit dem „Butt“ fast daneben im Yachthafen von Lindaunis lagen. Schon damals war die kombinierte Eisenbahn- / Straßenbrücke außer Betrieb und mit dem Boot war es abenteuerlich, zu wenigen bestimmten Zeiten eine Passage zu bekommen. Deshalb lagen wir in Lindaunis und lauerten auf das, was sich in Sachen Brückenöffnung tat. Und dann nichts wie raus und durch. Und der Briefkasten sah damals schon so aus. Hier ein Blick über unser Auto auf den Yachthafen Lindaunis und auf die immer noch in Konstruktion befindliche Eisenbahn- /Straßenbrücke:

Durch Lindaunis kamen wir, weil wir nach Ulsnis wollten. Aber die ehemalige Unterkunft der radelnden Freundinnen hat Dorit nicht wiedergefunden. Aber schöne Gegend dort. Nicht nur zu Wasser. Auch mit Rad, Mopped, Roller oder sogar Auto, wenn man die schleinahen kleinen Straßen entlangfährt, meist mit Blick auf die Schlei, weil sie etwas höher liegen. Überhaupt „höher“: die Gegend hier ist hübsch hügelig und damit voll hyggelig, um es Dänisch auszudrücken! Radfahrer ohne E-Unterstützung haben es schwer. Jedenfalls hügelaufwärts. „Zu Berg“, wie es in der Binnenschifffahrt heißt. Aber für eine Rollertour wäre das hier eine tolle Gegend. Man muss nur erst mal herkommen. Wie mit dem Boot.
Von Ulsnis trieb es uns ins naheliegende Süderbrarup. Da gibt es Apotheken und Friseure und alles, was man auf den Dörfern nicht hat. Warum ich da unbedingt mal hin wollte? Hat mit Werner zu tun. Nein, nicht mit Bestmann Werner von der Brise. Von der Comic-Figur Werner. Der beschreibt nämlich in einem der Bücher /Filme ein Fußballspiel zwischen „Holzbein Kiel“ und – ich meine – „Süderbrarup„. Seine Spielkommentare sind unübertroffen witzig und Highlights meiner Erinnerungen, jedenfalls, was Comics betrifft. Ansonsten schien mir Süderbrarup, an einer Hauptstreaße gelegen, als Ort nicht gerade das Highlight des Nordens zu sein. Aber, wie gesagt, es gibt dort (fast) alles, was nicht nur der Nordfriese zum Alltagsleben benötigt.
Also hielten wir auf dem Rückweg noch mal bei der völlig neu gemachten Mühle in der Nähe von Lindaunis. Ein echtes Prachtstück. Leider regnete es da gerade und ich habe, den Sturzfluten trotzend, nur eben schnell ein paar schnelle Schnappschüsse tätigen können. Die folgen jetzt hier:


Nachmittags-Log



„Schleiperle“
Dieses Café auf Stelzen in Blau/Weiß ist in der ganzen Gegend bekannt und an Sommer-Wochenenden knallvoll. Heute waren noch etliche Plätze frei. Von unserer FeWo nur 150m entfernt, haben wir uns heute mal in einer Regenpause hinüberbegeben zu einem feinen Stück Kuchen plus Milchkaffee. Durchs Fenster sahen wir auf unsere FeWo im Hintergrund und konnte all die Boote, die wir von dort aus sehen, mal von der anderen Seite betrachten.
Heute ist wieder „friesisches Wetter“, wie wir es von den „Friese Meren“ in der Provinz Friesland der Niederlande kennen: viel Wind, mal mit Sonne, mal mit einem Schauer verstärkt. Nichts Aufregendes beim Segeln, aber man muss immer auf dem Sprung sein.
Im Café aber ist es schiet-egal…

Abend-Log



Kurzwelle einsatzklar gemacht
Als es gegen fünfe langsam still wurde auf dem Werftgelände, keine Fahrzeuge mehr bewegt wurden und auch die privaten Yachteigner nach Maststellen und Rumpfpolieren schließlich sich einen Feierabend gönnten, da konnte ich aktiv werden. Wenn nicht so viele schauen, dann kommen auch weniger Fragen (oder gar Einwände) und wenn erst alles verspannt ist, dann sieht man es auch nur, wenn man einen Blick dafür hat. In jedem Fall konnte ich meinen Antennendraht, gespannt durch eine 8m lange Angelrute, so aufhängen, dass nichts und niemand dadurch behindert würde. Dann das kleine Kurzwellenfunkgerät samt Zubehör auf den Balkontisch gebaut und verkabelt und los ging’s. Alle Bänder bekomme ich in Resonanz und morgen Abend lauert dann die Conveniat-Runde auf mein Signal (Conveniat, das sind Funkamateure im kirchlichen Dienst).
